Interview mit VDMA-Repräsentant in Shanghai: 20 Jahre Engagement deutscher Unternehmen in China

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Ende Februar dieses Jahres hat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz seinen ersten China-Besuch seit seinem Amtsantritt abgestattet. Am selben Tag führte China News Service ein Interview mit Daniel Yoo, dem Chef-Repräsentanten des VDMA in Shanghai. Dabei blickte er auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück.

„Vor 20 Jahren war ich noch Austauschstudent an der Tongji-Universität“, sagte Yoo. „Damals befand sich China in einer Phase der rasanten Entwicklung, überall fand man Baustellen.“

„Viele denken, dass ich Chinese sei. Doch das bin ich nicht, ich bin Deutscher mit koreanischer Herkunft“, sagte er lächelnd. „Aber ich mag China und ich arbeite gerne in Shanghai.“

Die Zeit vergeht blitzschnell. 20 Jahre später, anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Repräsentanz des VDMA in Shanghai, ist Yoo bereits der Chef-Repräsentant dieser Institution. Er hat den vollständigen Wandel der deutschen Maschinenbauindustrie in China miterlebt – von der Markterschließung über den Technologietransfer bis hin zur bilateralen Zusammenarbeit.

Von der Markterschließung bis zur Lokalisierung

Das erste Repräsentanzbüro des VDMA in China wurde im Jahr 2004 in der chinesischen Hauptstadt Beijing eingerichtet. Es zielte vor allem darauf ab, die deutschen Unternehmen der Bau- und Bergbaumaschinenindustrie zu betreuen, um die Nachfrage aus dem massiven Infrastrukturausbau des Landes zu decken. Später, als sich viele deutsche Unternehmen aus den Bereichen Robotik, Automatisierung, Lebensmittelverarbeitung usw. in der Region des Jangtse-Flussdeltas niederließen, richtete der VDMA sein Repräsentanzbüro in Shanghai ein.

Nach Ansicht von Yoo seien die vergangenen zwei bis drei Jahrzehnte für die deutschen und europäischen Maschinenbauunternehmen eine „sehr erfolgreiche Phase“. Aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung und des massiven Infrastrukturaufbaus in China war die Nachfrage nach deutschen High-End-Maschinen konstant hoch.

Derzeit verfügt der VDMA über etwa 1.000 Mitglieder in China, was einem Fünftel aller dort ansässigen deutschen Unternehmen entspricht. Fast 50 Prozent von ihnen sind bereits tief in den lokalen Markt integriert. Sie bauen nicht nur lokale Vertriebsteams auf, sondern errichten auch Produktionsstätten und F&E-Zentren vor Ort.

Zudem sagte Yoo, dass China der zweitgrößte Exportmarkt für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau sei. Angesichts des immer intensiveren Wettbewerbs mit den lokalen Anbietern wies er auf die Wichtigkeit der Lokalisierung hin: „Wir müssen hier ansässig sein, nur so können wir uns über die jüngste Entwicklung in dieser Industrie informieren.“

Er vertrat die Auffassung, dass China zunehmend zum Zentrum der zukunftsweisenden Industrien werde. Deshalb sei das Engagement der deutschen Unternehmen auf dem chinesischen Markt in den kommenden zwei Jahrzehnten von entscheidender Bedeutung: „China ist Zentrum für diese neu aufstrebenden Industrien.“

Shanghai: Ein unverzichtbares Zentrum

„75 Prozent der VDMA-Mitglieder befinden sich in der Region des Jangtse-Flussdeltas“, so Yoo. Diese Zahl erklärte zugleich die besondere Position der Stadt Shanghai.

Seiner Meinung nach gelten Shanghai bzw. die Region des Jangtse-Flussdeltas als eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in ganz China, denn hier seien die nachgelagerten Industrien wie Automobil, Elektronik und Schiffbau stark konzentriert.

„Shanghai etabliert sich als das Zentrum beim Aufbau des KI-Ökosystems in China“, sagte Yoo weiter. „Viele Innovationen werden aus Shanghai stammen. Wir wollen sehr gerne Teil dieses Systems werden.“

Diese Symbiose zeigt sich auch auf gesellschaftlicher Ebene. Die Mitgliedsunternehmen des VDMA sind auch gute Arbeitgeber, die vor Ort wichtige und wertvolle Arbeitsplätze schaffen. „An Shanghai führt kein Weg vorbei“, fasste er zusammen.

Von „Made in Germany“ bis zur Zusammenarbeit

Zuvor war „Made in Germany“ eine Marke der deutschen Unternehmen, da sie für hohe Qualität stand. Doch mit Blick auf die Zukunft betonte Yoo, dass der VDMA „eine Brücke in beide Richtungen“ sein werde. „Wir bauen nicht nur eine Brücke für die deutschen Unternehmen, die in den chinesischen Markt eintreten möchten, sondern auch eine Brücke für die chinesischen Unternehmen, um ihnen bei ihrer Auslandsexpansion zu helfen.“

Dieses Jahr findet der 15. VDMA-Gipfel für Maschinenbau in China statt, der die Geschäftsführer von mehr als 150 VDMA-Mitgliedsunternehmen in Shanghai vereint, um über die jüngsten Entwicklungstrends in den Bereichen Maschinenbau, Handel und KI zu diskutieren.

„Wir hoffen auf eine weitere 20-jährige Zusammenarbeit mit China – und darüber hinaus.“ Er ist überzeugt, dass der VDMA mit seiner historischen Substanz, seinem Fachwissen und seinem Branchennetzwerk im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus eine noch stabilere Brücke zwischen der deutschen und der chinesischen Industrie sein wird.

Von 2006 bis 2026 ist Daniel Yoo von einem Austauschstudenten an der Tongji-Universität zum Chef-Repräsentanten des VDMA in Shanghai herangewachsen. Zugleich hat er die Entwicklung der deutschen Maschinenbauindustrie in China miterlebt. In Shanghai, wo „kein Weg vorbeiführt“, wird die Geschichte der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit fortgeschrieben.

 

 

Ein Beitrag von China News Service.