BWA-Chef Michael Schumann im Gespräch „Wir schlagen Brücken zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen“
Michael Schumann ist ein häufiger Gast in Shanghai. In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) pflegt er engen Kontakt zu deutschen und chinesischen Unternehmen sowie zu Regierungsstellen in der ostchinesischen Metropole. Der Verband bereitet deutsche Unternehmen bereits in der Heimat intensiv auf den Standort Shanghai vor und führt sie dann mit den geprüften chinesischen Partnern zusammen. Durch monatliche Netzwerk-Events ermöglicht der BWA einen direkten Austausch zwischen beiden Seiten. Dank seiner Weltoffenheit fühle sich Shanghai für deutsche Investoren keineswegs fremd an, sagte der BWA-Chef.
Ein Brückenbauer für wechselseitige Markterschließung
Der BWA ist ein globales Netzwerk, das in über 70 Ländern aktiv ist. Er bietet Expertise in den Bereichen Public Affairs, Government Relations, Markteintrittsberatung, Mergers & Acquisitions, wissenschaftlich-technologischer Austausch und Fachkräfteausbildung. Der Verband hat gegenwärtig mehr als 10.000 Mitgliederunternehmen, die von der Automobilindustrie und dem Maschinenbau über die Chemie- und Energiesektoren bis hin zur Bildung und Architektur reichen.
Ein Meilenstein in der Entwicklung des BWA in der Volksrepublik war die Eröffnung der ersten China-Repräsentanz im Shanghaier Distrikt Hongkou am 8. März 2024. Dieser Schritt war das Ergebnis einer langjährigen Kooperation mit der Wirtschaftskommission von Hongkou, die den Verband von der Standortsuche bis zur Registrierung begleitete. Ursprünglich hatte der BWA bereits während der 5. China International Import Expo (CIIE) vom Jahr 2022 einen Vertrag mit dem Shanghaier Bezirk abgeschlossen. Unmittelbar danach setzte er sich für die Förderung von Austausch und Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten ein: An mehreren Veranstaltungen wie der Initiative „World Hidden Champions Hongkou Tour“ und dem Networking-Event „North Bund Night“ zur Anbindung an die Importexpo war der Verband wichtiger Akteur, der Hongkou dabei zahlreichen deutschen Unternehmen vorstellte.
„Der BWA ist kein klassischer Verband“, erklärte Schumann. Vielmehr sei er ein Think Tank, der die Bundesregierung im Interesse der deutschen Unternehmen berät. „Wir verstehen uns als Brückenbauer, die eine beiderseitige Annäherung zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen fördern. Dabei begleiten wir nicht nur deutsche Firmen bei ihrem Markteintritt in Shanghai bzw. China, sondern stehen gleichzeitig auch chinesischen Unternehmen zur Seite, die den Weg nach Deutschland suchen,“ fuhr der BWA-Chef fort.
Nachhaltigkeit und Healthcare: Zwei Schwerpunkte der Kooperationen
Beijing hat gerade die Hauptvorgaben ihres 15. Fünfjahresplans festgelegt, der eine massive Steigerung der Wirtschaft- sowie Innovationskraft und die Entwicklung „Produktivkräfte neuer Qualität“ vorsieht. „Die historischen Chancen sind zu ergreifen, die sich aus der neuen Runde der wissenschaftlich-technologischen Revolution und des industriellen Wandels ergeben“, heißt es in dem Dokument. Darin sieht Schumann „Chinas Fähigkeit, eine klare Vision konsequent zu verfolgen“. In Zeiten globaler Umbrüche beweise das Land eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit. Es erkenne Chancen in Krisen und könne diese konsequent in Antriebskräfte für den eigenen Fortschritt ummünzen, so der BWA-Chef.
Schumann wies unter anderem darauf hin, dass Investoren vor allem die Stabilität und Vorhersehbarkeit der politischen Rahmenbedingungen schätzten. Die Ausarbeitung der Fünfjahrespläne Chinas erfolge durch ein professionelles Arbeitsverfahren. Die Verantwortlichen verfügten über praktische Erfahrung an der Basisebene und seien in der Lage, letztendlich die Pläne umzusetzen.
In einigen Bereichen sieht Schumann zudem das heutige Deutschland in der Lernrolle. Während die Bundesrepublik technologisch traditionell stark aufgestellt ist, habe China in den Bereichen KI und grüne Transformation sowie bei der integrierten Entwicklung in den letzten 15 Jahren massiv aufgeholt oder sei gar vorbeigezogen. „China ist auf einem richtigen Kurs“, sagte der BWA-Vorstandsvorsitzende.
China wird im Zeitraum des 15. Fünfjahresplans den Aufbau eines „Gesunden Chinas“ vorantreiben, die umfassende grüne Transformation der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung beschleunigen und die Vision eines „Schönen Chinas“ verwirklichen. Schumann betonte, dass Deutschland und Europa dem globalen Klimawandel sowie dem Wandel von Wirtschafts- und Produktionsweisen im Sinne einer grünen Entwicklung eine besondere Bedeutung beimessen. Dies stelle nicht nur ein großes Thema in der Gesellschaft dar, sondern eröffnet auch Unternehmen aus beiden Ländern enorme Geschäftsmöglichkeiten. In Deutschland und China fänden sich insbesondere in der Umweltschutzindustrie Branchenführer, so dass ein aktiver Austausch stattfinden könne.
Auch die Gesundheitswirtschaft bildet einen Schwerpunkt für deutsche Unternehmen. Sowohl Deutschland als auch China sehen sich mit einer alternden Gesellschaft und der Zunahme chronischer Krankheiten konfrontiert. Gleichzeitig entstehen kontinuierlich neue Technologien und Produkte. Während deutsche Firmen über einen Vorsprung, vor allem in der Biopharmazie, verfügen, könne China eine große Datenbasis bereitstellen, hob Schumann hervor. Dank dieser jeweiligen Vorteile entstünde großes Potenzial für eine Win-win-Kooperation.
Shanghai: Idealer Standort für deutsche Investoren
Laut Statistik war China im Jahr 2025 erneut Deutschlands größter Handelspartner. Für Schumann ist dieses Ergebnis keine Überraschung. Unternehmer wüssten schließlich genau, wo sichere Investitionsziele lägen. „Für die deutsche Wirtschaft ist China besonders wichtig. Und ihre Investitionen in diesem Land wachsen stetig“, so der BWA-Chef.
Unter Chinas Standorten bleibt Shanghai die unangefochtene Nummer eins. Volkswagen, Siemens, BASF & Co. konnten hier bereits reiche Ernten einfahren. Die etablierte Städtepartnerschaft mit Hamburg verstärkt diesen Effekt zusätzlich. In der deutschen Business-Community hat die Stadt einen hervorragenden Ruf: Eine offene Wirtschaftsmetropole von Weltrang. „Mit vollem Respekt sind wir nach Shanghai gekommen, und das Geschäftsumfeld hier ist vielversprechend“, so Schumann.
Nichtsdestotrotz sieht er Raum für Optimierung. So könnten ausländische Reisende und Investoren im Alltagsleben noch stärker berücksichtigt werden – etwa durch eine weitere Vereinfachung digitaler Bezahlsysteme oder eine klarere Beschilderung der Verkehrsinfrastruktur, um Neuankömmlingen den Start in der Metropole zu erleichtern, schlägt Schumann vor.
Präzise Vernetzung von deutschen und chinesischen Partnern
Die Verbindung des BWA zu Shanghai reicht bis zur Expo 2010 zurück. Seither steht Schumann mit Behörden der Stadt- und der Bezirksebene in engem Kontakt. Im April 2025 richtete der Verband als Co-Organisator in Shanghai eine Matchmaking-Serie aus, die sich speziell dem Markteintritt kleiner und mittlerer Unternehmen ins Ausland widmete. Ein weiterer Höhepunkt war das Gipfeltreffen deutscher Unternehmer in China bei Tencent Shanghai im vergangenen Oktober, bei dem unter anderem Vertreter des Allchinesischen Industrie- und Handelsverbands sowie der Swiss Chinese Chamber of Commerce in China auch anwesend waren. Das Hauptthema war, wie chinesische Anbieter ausländische Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation unterstützen können.
Der BWA fördert im Augenblick Investitionen von Unternehmen beider Seiten in beide Richtungen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf dem „One-Stop-Service“-Bündnis im Stadtteil Hongkou, das der Verband gemeinsam mit Partnern wie der italienischen Handelskammer in China gegründet hat.
Nun ist die Entstehung der BWA-Repräsentanz in Shanghai schon zwei Jahre her. Die Arbeit laufe bislang – mit der Unterstützung durch die städtische Handelskommission sowie das Shanghai Foreign Investment Development Board – erfolgreich. „Wir haben einen umfassenden Kooperationsmechanismus mit allen Kreisen der Stadt etabliert“, sagte Schumann. Als internationaler Strategieberater lenke der Verband deutsche Unternehmen gezielt zu chinesischen Partnern, um Kooperationen in strategischen Zukunftsbranchen wie der High-End-Fertigung und der High-Tech-Innovation voranzutreiben und stetig neue Durchbrüche zu erzielen.
Das Jahr 2026 steht im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Hamburg–Shanghai. Darin sieht Schumann unter anderem einen guten Anlass zu feiern. Der BWA plane hierzu umfangreiche Wirtschaftsveranstaltungen, um noch mehr hochspezialisierte Unternehmen aus der Hansestadt für den Standort Shanghai zu begeistern, so der Vorstandsvorsitzende.
Ein Beitrag von Invest Shanghai.