Neue Strategie ausländischer Investoren: „In China schaffen“ statt „In China verkaufen“
Im Zuge der tiefgreifenden Veränderung globaler Wertschöpfungsketten wandelt sich die Logik ausländischer Investitionen in China grundlegend. Der Fokus verlagert sich zunehmend von „In China verkaufen“ hin zu „In China schaffen“ – weg vom reinen Produktionsstandort hin zum Innovationsstandort.
Shanghai entwickelt sich dabei vom „Eingangstor zum chinesischen Markt“ für multinationale Konzerne zu einem zentralen Knotenpunkt für globale Innovation und Lieferketten.
Am 8. Juli nahm das Wissenschafts- und Innovationszentrum Shanghai von Reckitt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 300 Millionen Yuan seinen Betrieb auf. Als eines von neun weltweiten Wissenschafts- und Innovationszentren des Konzerns ist es das größte F&E-Investitionsprojekt von Reckitt in Asien. Es bündelt modernste wissenschaftliche und technologische Kompetenzen und soll künftig mehr F&E-Ergebnisse aus China auf den Weltmarkt bringen.
Reckitt-CEO Kris Licht reiste aus Großbritannien nach Shanghai, um an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Er sagte: „China ist für Reckitt zu einem der wichtigsten Märkte weltweit geworden – nicht nur wegen der enormen Marktgröße und des großen Entwicklungspotenzials, sondern vor allem, weil das Land zunehmend zu einer treibenden Kraft für die künftige Innovation unseres Konzerns wird.“
Er zeigte sich überzeugt, dass bahnbrechende Gesundheits- und Hygienelösungen der nächsten Generation künftig von chinesischen Verbrauchern inspiriert und von China aus in die Welt getragen würden.
Auch der deutsche Werkstoffriese Covestro setzt auf Shanghai und kündigte jüngst den Bau einer neuen Anlage mit einer Jahreskapazität von 660.000 Tonnen MDI (Diphenylmethandiisocyanat) am integrierten Standort Shanghai an. Die Inbetriebnahme ist für etwa 2030 geplant.
Covestro-Senior-Vizepräsidentin und China-Chefin Lei Huanli betonte, dass die Entscheidung für Shanghai nicht allein marktgetrieben sei, sondern auch auf Kostenwettbewerbsfähigkeit und strategischer Positionierung beruhe: „Das neue Projekt wird den integrierten Standort Shanghai weiter ausbauen und unsere Marktstellung als weltweit führender MDI-Lieferant festigen.“
Während F&E-Zentren für „Innovationsattraktivität“ stehen, unterstreicht die Infrastruktur der Lieferketten Shanghais Unersetzlichkeit als globaler Dreh- und Angelpunkt.
Amazon gab kürzlich die Ansiedlung seines Global Warehousing and Distribution (GWD)-Netzwerks im Jangtse-Flussdelta bekannt, mit Standorten in Shanghai und Ningbo. Das GWD-Lager in Shanghai befindet sich in der Lingang New Area, in unmittelbarer Nähe zum Yangshan-Tiefwasserhafen, und umfasst eine Fläche von knapp 20.000 Quadratmetern – etwa drei Standard-Fußballfeldern. Es ist mit automatischen Hochregallagern und Palettenregalen ausgestattet.
„Das Shanghai-Lager nutzt Amazons intelligentes Lagerverwaltungssystem und kann bei Bedarf flexibel erweitert werden“, so Piyush Saraogi, Vizepräsident bei Amazon und Leiter der weltweiten FBA-Produkt- und Technologieentwicklung.
Dies bedeute, dass chinesische Händler bei ihrer globalen Expansion mit „einer Einlagerung die Welt beliefern“ könnten. Wie vor Ort zu erfahren war, unterstützt GWD derzeit bereits die Nachschubversorgung des Amazon-FBA-Netzes in den USA; künftig sollen auch die Märkte in der EU, Großbritannien und Kanada folgen.
Die Entscheidung Amazons, einen zentralen Knotenpunkt für den grenzüberschreitenden E-Commerce in Shanghai anzusiedeln, unterstreicht die Stärken Shanghais als internationales Schifffahrtszentrum.
Xia Shifeng, Generalsekretär des Shanghaier Branchenverbands für grenzüberschreitenden E-Commerce, teilte mit, dass der grenzüberschreitende E-Commerce in der Stadt in den letzten Jahren rasant gewachsen sei. Das gesamte Transaktionsvolumen habe die Billionen-Yuan-Marke überschritten, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 23 Prozent. Damit sei er ein wichtiger Motor zur Stabilisierung des Außenhandels, zur Förderung des Konsums und zur Entwicklung neuer Impulse im Außenhandel geworden.
Das Luftfrachtnetzwerk für den grenzüberschreitenden E-Commerce in Shanghai deckt derzeit 53 Länder mit 302 Flugzielen ab, der Seeverkehr verbindet über 200 Länder und Regionen mit mehr als 700 Häfen und bietet für den effizienten Betrieb globaler Lieferketten weltweit führende Hafeninfrastrukturen.
Aktuellen Statistiken zufolge kamen in der ersten Jahreshälfte in Shanghai 25 regionale Konzernzentralen und 24 F&E-Zentren ausländischer Unternehmen neu hinzu. Vor dem Hintergrund zunehmender globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten entscheiden sich multinationale Konzerne für Shanghai – und setzen damit auf stabile Perspektiven, vollständige Wertschöpfungsketten und eine wachsende Innovationskraft.
Ein Beitrag von Shanghai Observer.