WAIC 2026: Sehenswerte Ausstellungsstücke
Die Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz 2026 (World Artificial Intelligence Conference, kurz: WAIC) wurde am 17. Juli in Shanghai eröffnet. Sie brachte mehr als 1.100 Unternehmen zusammen und präsentierte über 3.000 Exponate.
Unter dem Motto „KI-Partnerschaft für eine bessere Zukunft“ erstreckte sich die diesjährige Ausstellung erstmals über eine Fläche von mehr als 100.000 Quadratmetern. Dabei feierten über 300 Produkte ihre Weltpremiere.
Ein Trend stach besonders hervor: KI hielt zunehmend Einzug in die reale Welt. Roboter begannen, bei konkreten Aufgaben zusammenzuarbeiten. KI-Agenten konnten nun komplexe Aufgaben selbstständig bewältigen, anstatt nur Fragen zu beantworten. Zudem wurde KI durch Geräte wie intelligente Brillen und Smartphones immer mehr zum Teil des Alltags.
Roboter arbeiten bei realen Aufgaben zusammen
Im Ausstellungsbereich „Model Era, City of Partners“ im Shanghai World Expo Exhibition and Convention Center waren über 300 Roboter in dynamischen Anwendungsszenarien zu sehen. Die Einsatzbereiche umfassten die Fertigung, den Alltag und die Unterhaltung.
Eine nachgebaute Produktionslinie für Elektrofahrzeuge zeigte, wie Roboter bei Arbeiten an Lithiumbatterien, Fahrzeugleuchten, Kabelbäumen, Getrieben und Hupen eingesetzt werden.
Ein Roboter, der mit visuellen und taktilen Sensoren ausgestattet war, konnte eigenständig Bauteile aufnehmen, Schrauben festziehen, Kabel verbinden und einen Beleuchtungstest durchführen. Zudem konnte er Veränderungen erkennen und seine Bewegungen während der Ausführung flexibel anpassen.
Ein weiteres Exponat simulierte eine intelligente Apotheke, in der dasselbe Modell für verkörperte KI (Embodied Intelligence) drei Roboter verschiedener Hersteller steuerte. Auf Grundlage zufällig generierter Bestellungen teilten die Roboter die Arbeit unter sich auf und durchliefen den gesamten Prozess vom Eingang der Bestellung über die Zusammenstellung der Medikamente bis hin zur Ausgabe und Lieferung.
Dieses System war bereits in Shanghaier Filialen der Apothekenkette Guo Da Drugstore im Einsatz.
Während der Konferenz arbeiteten sechs Roboter außerdem 15 Stunden lang ununterbrochen zusammen, um ein Modell der Chinesischen Mauer aus mehr als 80.000 Bausteinen zu errichten. Jeder Roboter konnte seine Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und seine Rolle im Verlauf der Aufgabe anpassen.
Große KI-Rechencluster feiern Premiere
Da die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter anstieg, richtete die diesjährige Ausstellung den Fokus über einzelne Chips hinaus auch auf Superknoten und große Rechencluster.
Huawei präsentierte erstmals ein physisches Exemplar seines Atlas 950 SuperPoD. Die ausgestellte Version bestand aus 16 Rechenknoten mit insgesamt 1.024 Ascend-KI-Prozessoren, die als ein einziges System zusammenarbeiten konnten.
Sugon zeigte den Sugon 8000 (Dengfeng), den ersten vollständig in China entwickelten KI-Supercluster mit 100.000 Beschleunigern.
Das System, das als eines der zehn herausragendsten Exponate der Konferenz ausgewählt wurde, unterstützte wissenschaftliches Rechnen, das Training großer Modelle, KI-Inferenz und industrielle Simulationen.
KI-Agenten gehen über Chatfunktionen hinaus
KI-Agenten spielten eine größere Rolle auf der diesjährigen Konferenz. Anstatt nur auf Fragen zu antworten, konnten sie zunehmend Anfragen verstehen, komplexe Aufgaben zerlegen und Software-Tools sowie Online-Dienste aufrufen.
Baidus DuMate war der einzige universell einsetzbare KI-Agent, der als eines der zehn herausragendsten Exponate der Konferenz ausgewählt wurde. Er konnte Informationen suchen, Code schreiben, umfangreiche Recherchen durchführen, Daten analysieren, Anwendungen erstellen sowie Fahr- und Botendienste nutzen.
Kingsoft Office zeigte WPS Lingxi, einen KI-Agenten, der Informationen aus Dokumenten und Gesprächen der Nutzer extrahiert. Im Laufe der Zeit konnte er lernen, welche Projekte sie gerade verfolgen, welchen Schreibstil sie haben und welche Themen sie interessieren.
Tencent präsentierte WorkBuddy, mit dessen Hilfe Nutzer mehrere KI-Agenten über natürliche Sprachbefehle koordinieren konnten, um komplexe Büroaufgaben zu erledigen.
KI hält Einzug in intelligente Brillen
Mehrere KI-Geräte für Endverbraucher waren ebenfalls auf der WAIC 2026 ausgestellt.
Das Modell Qwen Glasses S1 verfügte über austauschbare Akkus, die sich wechseln ließen, ohne das Gerät ausschalten zu müssen. Die Brille bot außerdem ein augennahes Display, Echtzeit-Videoaufnahmen aus der Ich-Perspektive, Echtzeitübersetzung, Navigation und Zahlungsfunktionen.
iFlytek zeigte seine KI-Brille, die nur 40 Gramm wog. Mithilfe von Lippenbewegungserkennung und multimodaler Rauschunterdrückung konnte die Brille in lauten Umgebungen den aktiven Sprecher identifizieren und gleichzeitig Echtzeitübersetzung sowie andere KI-gestützte Funktionen bieten.
Hirnsignale steuern eine Spielfigur
Besucher konnten auch ein Gaming-System mit Brain-Computer-Interface (BCI) ausprobieren.
Mit einer leichten EEG-Haube konnten die Teilnehmer die Bewegungen und Angriffe einer Figur in Black Myth: Wukong allein mit Hirnsignalen steuern, ganz ohne Tastatur, Maus oder Controller.
Das nichtinvasive System erfasste und decodierte neuronale Signale und wandelte anschließend die Absichten des Nutzers in Gerätebefehle um. Ähnliche Technologien kommen auch in schlafbezogenen Anwendungen, zur Frühwarnung vor epileptischen Anfällen und bei der Anästhesieüberwachung zum Einsatz.
Quellen: Wenhui Daily, Shanghai Observer sowie Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz