Wiener Philharmoniker schaffen reines deutsch-österreichisches Klangfest in Shanghai

Das Orchester spielt unter der Leitung von Christian Thielemann. [Foto: Shanghai Observer]
Am Samstagabend erklang in Shanghai mit dem ersten Takt von Dirigent Christian Thielemann der reinste Deutsch-Österreichische Klang. Dies markierte den Start des zweitägigen Festes für klassische Musik.
Zum Auftritt stand Thielemann in schwarzem Frack. Der Maestro, der bereits zweimal die Wiener Neujahrskonzerte geleitet hat, gilt gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern als „goldenes Duo“ für die Interpretation deutsch-österreichischer Klassik.
Die Zusammenarbeit zwischen Thielemann und den Wiener Philharmonikern blickt auf den vergangenen Jahrhundert zurück und verwandelte sich am Samstagabend in ein nahtlos aufeinander abgestimmtes Spiel des Orchesters.
Das Programm des ersten Konzerts präsentierte die letzten Sinfonien von Robert Schumann und Johannes Brahms, und zeigte so die romantische Tradition und ihre Weiterentwicklung in der deutsch-österreichischen Musikwelt.
Nach der Pause erklang Brahms Vierte Sinfonie, weithin als sein Meisterwerk anerkannt. Angesichts der komplexen und anspruchsvollen Partitur kontrollierte Thielemann präzise die innere Spannung der Musik. Das Orchester spielte mit großer Klarheit der Struktur, wobei die tiefe, stabile Klangfarbe der Blechbläser und die feinen, langen Linien der Streicher einander ergänzten und so die tiefgründige Philosophie und intensive Emotion des Werkes voll zur Geltung brachten.

Das Orchester spielt unter der Leitung von Christian Thielemann. [Foto: Shanghai Observer]
Die Verbindung der Wiener Philharmoniker mit Shanghai begann im Jahr 2004 mit ihrem ersten Besuch unter der Leitung von Seiji Ozawa. Seit über 20 Jahren ist das Orchester Zeuge der dynamischen Entwicklung der klassischen Musik in Shanghai und hat eine tiefe Beziehung zur Shanghai Oriental Art Center (OAC) aufgebaut.
Professor Wang Yong, Dekand des Musikkonservatoriums der Shanghai-Universität, der nach eigenen Angaben schätzungsweise 60 bis 70 Konzerte der Wiener Philharmoniker live gehört hat, bestätigte dem Reporter: „Das Orchester hält stets sein stabiles Grundniveau und seinen unverwechselbaren Stil.“
Zwar brächten personelle Wechsel leichte Unterschiede, besonders bei den Bläsersolisten, doch da das Orchester bei der Einstellung Absolventen deutsch-österreichischer Musikhochschulen bevorzuge, seien „die musikalisch-ästhetischen Standards ähnlicher und das Streben nach dem deutsch-österreichischen Klang einheitlicher“.
Professor Wang ist überzeugt, dass die Wiener Philharmoniker den strengen Stil der deutsch-österreichischen Blütezeit fortsetzen. Auch wenn es an diesem Abend kleinere Unregelmäßigkeiten bei den Bläsern gegeben habe, so mache „bei einer gereisten Gruppe die minimale Differenz zwischen Live-Aufführung und Aufnahme die Darbietung doch lebendiger und den Eindruck nachhaltiger“.
Schließlich liege die Bedeutung eines Konzertbesuchs gerade darin, „Zeuge eines jedes Mal einzigartigen Aufführungsprozesses zu werden – das ist selbst schon ein Reichtum.“