Jazz-Grüße von der Elbe: Hamburgs Flaggschiff der Jazz-Jugend verzaubert Studierende in Shanghai

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Am Abend des 8. dieses Monats verwandelte sich die Xianghui-Halle der Fudan-Universität in Shanghai in einen Schauplatz des deutsch-chinesischen Kulturaustausches. Im Rahmen des 41. „Shanghai Spring International Music Festivals“ gastierte das Landesjugendjazzorchester Hamburg (LJJO HH) mit seinem Programm „Suspended Blues“ in diesem geschichtsträchtigen Bauwerk. Das Konzert war gleichzeitig Teil des ersten „Xianghui Kulturfestivals“ und widmete sich der Feier zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und der ostchinesischen Metropole. Es lockte Hunderte begeisterte Besucher an, darunter vor allem Studierende und Dozenten der renommierten chinesischen Hochschule.

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[Foto mit freundlicher Genehmigung der Fudan-Universität]

Das LJJO HH, das unbestrittene Flaggschiff der Hamburger Jazz-Nachwuchsszene, vereint die brillantesten Talente der Region unter 25 Jahren. Unter dem Titel „Modern Tradition“ bot die Performance einen umfassenden Einblick in die stilistische Entwicklung des Big-Band-Jazz – von den Klassikern der 1960er Jahre bis hin zu zeitgenössischen Werken aus den USA und Europa –, wobei die klangliche Vielfalt und die vielschichtige Dynamik für akustischen Genuss sorgten.

Am Pult dirigierte der für den Grammy nominierte Komponist und Arrangeur Jörn Marcussen-Wulff. Die Dramaturgie des Abends orientierte sich an zwei Giganten der orchestralen Jazzgeschichte: der Big Band-Legende Bill Holman und der Avantgardistin des modernen Jazzorchesters, Maria Schneider.

Im ersten Teil des Abends beschworen Stücke wie „A View from the Side“ und „Yesterdays“ den Geist Holmans herauf. Das Wechselspiel zwischen dem strahlenden Glanz der Blechbläser und der samtigen Textur der Holzbläser ließ die Lässigkeit des West-Coast-Jazz in ihrer reinsten Form aufleben. Ein besonderes Highlight war zudem die raffinierte Jazz-Adaption des Beatles-Klassikers „Norwegian Wood“, welche die vertraute Melodie durch neuartige Harmonien in ein völlig originelles Licht rückte und tosenden Applaus erntete.

Die zweite Konzerthälfte war dem zeitgenössischen US-Jazz gewidmet. Bei der Interpretation von Maria Schneiders Werken lotete das Ensemble die Grenzen des Genres aus: Zunächst erklangen die hypnotischen Harmoniewellen des 13-minütigen „Hang Gliding“, dann folgten die Stücke „Bombshelter Beast“ und „Journey Home“ mit ihrer hohen rhythmischen Komplexität. Insbesondere in den spannungsgeladenen Solo-Improvisationen schufen die Musiker ein vielschichtiges, atmosphärisches Klanggebilde.

Mit dem Finale „Wyrgly“ fächerte das Ensemble ein monumentales Klangpanorama auf. Die enorme orchestrale Präsenz und die dichte Textur der Harmonien markierten den emotionalen Höhepunkt des Abends. Unter stürmischem Applaus kehrte das Orchester für eine Zugabe zurück: eine Jazz-Interpretation des chinesischen Volkslieds „Mo Li Hua“ (Jasminblüte). Als die ersten Takte erklangen, stimmte das Publikum spontan mit ein – ein Moment der Symbiose zwischen westlichem und fernöstlichem Kulturgut, der den emotionalen Schlusspunkt dieser musikalischen Begegnung markierte.

„Es spielt keine Rolle, ob man Chinesisch, Englisch oder Deutsch spricht – Musik ist eine Sprache, die jeder versteht“, resümierte der Dirigent Marcussen-Wulff im Anschluss an das Konzert. Er hoffe, dass jeder die Schönheit dieser Sprache erleben, ja sogar ein Teil von ihr werden könne. Für ihn sei die Begegnung von Tradition und Moderne das Lebenselixier des Orchesters. Um Neues zu erschaffen, müsse man die Klassiker verstanden haben. „Dies ist nicht nur mein künstlerisches Credo, sondern auch das Fundament meiner Arbeit mit diesem Ensemble,“ so der Künstler. Zugleich äußerte er den Wunsch, dass die Musik auch in Zukunft als Brücke diene, um junge Menschen beider Länder miteinander zu verbinden.

 

 

Ein Beitrag der Fudan-Universität.