Drei Jahrzehnte als deutsche TCM-Ärztin in Shanghai

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Deutsche TCM-Ärztin Doris Rathgeber lebt seit über 30 Jahren in Shanghai. [Foto: Xinmin Weekly]

​Vom „Anhängsel“ zur TCM-Studentin

Doris Rathgebers Verbindung zu Shanghai begann 1995. Mit 28 Jahren zog sie mit ihrem Ehemann Ekkehard Rathgeber von Potsdam bei Berlin nach Shanghai. Zu Beginn war sie wegen der Sprach- und Kulturunterschiede unsicher und begleitete ihren Mann täglich zur Arbeit. Auf Anregung von Freunden hin immatrikulierte sie sich an der Shanghai Universität für Traditionelle Chinesische Medizin (Shanghai University of Traditional Chinese Medicine) und wurde 1997 Studentin im Fach Innere Medizin der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Das TCM-Studium stellte sie vor große Herausforderungen. In den ersten beiden Jahren standen Kurse in chinesischer Philosophie sowie die Lehren von Yin und Yang, Fünf-Elemente-Lehre und weitere grundlegende Theorien der chinesischen Kultur auf dem Lehrplan – klinische Inhalte gab es zunächst nicht. Aufgrund kultureller Unterschiede fiel ihr das Verständnis von klassischen TCM-Werken wie dem „Huangdi Neijing“ (Der Gelbe Kaiser – Klassiker der Inneren Medizin) oder der „Shanghan Lun“ (Abhandlung über Kälteschäden) schwer.

Nachdem sie die Prüfung in „Kräuterkunde“ nicht bestanden hatte, reiste sie nach Deutschland zurück und recherchierte systematisch in deutschsprachigen Publikationen zur chinesischen Philosophie. Durch den Vergleich von Lehrbüchern mit westlichen philosophischen Werken erkannte sie allmählich, dass die Grundlage der TCM in der chinesischen Geschichte und Philosophie liegt, denn das zentrale Konzept des „Qi“ findet im westlichen Denken nämlich keine direkteEntsprechung.

Von der klinischen Praxis zur eigenen Praxisgründung

Mit zunehmender Erfahrung nutzte Rathgeber ihre Sprachkenntnisse und ihre Stellung als Praktikantin, um in Shanghai lebenden Ausländern TCM-Behandlungen zu vermitteln. Da die Nachfrage unter Ausländern stetig wuchs, gründete sie gemeinsam mit Partnern eine TCM-Ambulanz.

Neben der regulären medizinischen Versorgung richtete sie ein „Life Center“ ein, das Patienten Gesundheitsmanagement und Lebensstilberatung bietet – je nach individuellem Zustand empfiehlt sie neben pflanzlichen Arzneimitteln auch nichtmedikamentöse Ansätze wie Qigong oder mehr Aufenthalt an der frischen Luft.

2006 wurde ihr Sohn in Shanghai geboren. Kurz nach der Geburt begann sie mit der Planung für die Einrichtung ihrer zweiten TCM-Praxis und kehrte bald darauf in den Beruf zurück. Ihr Ehemann übernahm zunehmend die Verantwortung für familiäre Angelegenheiten und Vermögensfragen.

Rathgeber beschreibt Shanghai als eine international geprägte und offene Stadt, in der Ausländer aus verschiedenen Bereichen zur kulturellen Vielfalt beitragen. Sie brachte auch deutsche Traditionen wie das Sankt-Martins-Fest nach Shanghai. Dieses Fest geht auf einen römischen Soldaten zurück, der Bedürftige versorgte, und ist damit inhaltlich mit ihrer eigenen ärztlichen Tätigkeit verbunden.

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Rathgebers Praxis ist mit chinesischen Elementen wie grünem Bambus, Mahagoniholz und
traditioneller Malerei aus China gestaltet. [Foto: Xinmin Weekly]

​TCM-Kenntnisse durch das Studium der chinesischen Sprache vertiefen

Im Laufe der Jahre sah sich ihre Praxis mehrfach mit betrieblichen Herausforderungen konfrontiert. Rathgeber betont, dass ihre Motivation, die Einrichtung weiterzuführen, vor allem in der Verantwortung gegenüber ihrem Team begründet liegt. Sie ist überzeugt, dass Ausländer, die langfristig in Shanghai leben, die chinesische Sprache erlernen sollten, da dies der Schlüssel zum Verständnis der chinesischen Gesellschaft und Kultur sei. Durch das Studium der TCM in chinesischer Sprache gelang ihr eine tiefgehende Verbindung von Fachwissen und lokaler Kultur.

Über die Jahre hinweg hat ihre Praxis unter anderem die Schulbildung mehrerer Kinder unterstützt, Herzoperationen vermittelt und sich an Blutspendeaktionen beteiligt. Rathgeber fasst ihre Entwicklung in Shanghai als einen Weg von der „mitreisenden Ehefrau“ zu einer interkulturell kompetenten und verantwortungsbewussten Unternehmerin zusammen. Durch kontinuierliches Lernen und praktisches Wirken hat sie sich als deutsche TCM-Ärztin in Shanghai ein stabiles Standbein aufgebaut.

 

 

Ein Beitrag von Xinmin Weekly.