Taiji für die Welt: Wie chinesische Bewegungskunst ausländische Schüler begeistert

german.shanghai.gov.cn| 2026-06-09

Können Sie sich eine Gruppe von Ausländern in einem Klassenzimmer vorstellen, alle mit angelegten Armen, die versuchen, mit ihren Achselhöhlen einen nicht existierenden Apfel zu „greifen“?

图片3.png
Das Foto zeigt die Teilnehmenden bei der Übung der Bewegungen.
[Foto von Xinmin Evening News]

​Diese Szene spielte sich im Taiji-Kurs des Gemeindezentrums Huacao International Community Center (HICC) in Shanghais Stadtbezirk Minhang ab. Seit Oktober des vergangenen Jahres wurden bereits zwei Kurse speziell für ausländische Teilnehmer angeboten, und gerade läuft der dritte Kurs.

Obwohl ein Dolmetscher eingesetzt wurde, waren die Teilnehmer ratlos, als die Lehrerin einige schwer verständliche Taiji-Fachbegriffe erklärte, und auch der Dolmetscher kratzte sich verlegen am Kopf und musste mit Körpersprache aushelfen. Auch einige Ausdrücke über Körpergefühle und Bewegungsabläufe waren schwer zu übersetzen. Also half die Lehrerin direkt mit den Händen nach, korrigierte die Haltungen der Teilnehmer oder ließ sie die aktiven Muskeln ertasten. Bei bestimmten Bewegungsdetails ließ sie die Teilnehmer die Bewegung zuerst an ihrem Körper ertasten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, und dann mit ihrem eigenen Körper vergleichen.

Im Kurs tauchten gelegentlich auch Konzepte aus dem Pilates auf, fast als würden hier die Kulturen Chinas und des Westens für einen Moment miteinander verschmelzen. Die portugiesische Teilnehmerin Teresa Lúcia ist selbst Pilates-Trainerin. „Ich lehre Pilates mit dem Ansatz, den Körper als ein durchgängiges Fasernetzwerk zu betrachten. Ich spüre, dass genau das auch eines der Ziele von Taiji ist – mit klugen, effizienten Bewegungen die Kraft des gesamten Körpers zu nutzen“, sagte sie.

Die deutsche Teilnehmerin Maja Roewe hatte an den ersten beiden Kursen zeitweise teilgenommen. „Früher hat die Lehrerin die komplette Abfolge gezeigt. Jetzt zerlegt sie die Bewegungen sehr detailliert – das ist genau richtig, um sie zu verfeinern.“ Sie gab zu, dass Taiji nicht leicht sei.

„Die Bewegungen der Lehrerin sind leicht wie ein Schmetterling, meine wirken dagegen sehr steif. Wenn Arme und Beine gleichzeitig unterschiedliche Bewegungen ausführen müssen, kann ich nicht beides koordinieren. Taiji ist wie Klavierspielen – ein wirklich gutes Training für das Gehirn.“ Maja hat viele Sportarten ausprobiert. Meistens hört man zuerst die Theorie und übt dann, aber im Taiji-Kurs wird grundsätzlich „durch das Tun gelernt“ – das fand sie erfrischend anders.

Vor dem Ende der Stunde gab die Lehrerin eine Hausaufgabe auf: das Gehen mit Gewichtsverlagerung zu üben. Maja sagte: „Die Hausaufgabe werde ich auf jeden Fall ernst nehmen. Beim Zähneputzen mache ich schon mal einen Reitersitz. Wenn ich mir meine Mitschüler so ansehe, haben wohl alle die Hausaufgabe gemacht.“

„Früher dachten die Leute, Taiji sei eine Sportart für ältere Menschen. Aber jetzt machen auch junge Ausländer es richtig gut und sehen Taiji sogar als eine coole, östliche Meditation. Das zeigt, dass eine wertvolle Kultur weltweit wahrgenommen wird“, sagte die Lehrerin.

 

 

Ein Beitrag von Xinmin Evening News.