Shanghai setzt auf ländlichen Tourismus
Wohnhäusern. [Foto: Jiefang Daily]
Über 60 Prozent der Fläche Shanghais sind ländlicher Raum. Lange galten diese Gebiete im städtischen Tourismuskonzept lediglich als „Naherholungsgebiet“ – großflächig, aber selten im Fokus. Das ändert sich nun.
Mitte März startete Shanghai erstmals eine stadtweite ländliche Frühlingssaison. Neun ländlich geprägte Bezirke bündelten ihre Angebote und präsentierten gemeinsam 55 thematische Reiserouten sowie 50 ausgewählte Veranstaltungen. Ziel ist eine sektorübergreifende Verknüpfung von Landwirtschaft, Kultur, Handel, Tourismus, Sport und Messen.
Bis zu 20.000 Besucher an einem Wochenende
Das Dorf Hemu im Bezirk Qingpu verzeichnete am letzten Wochenende im März täglich fast 20.000 Besucher und über 2.000 Fahrzeuge. Die rund 400 Parkplätze im Dorf waren früh ausgelastet. Tausende Hektar Raps standen in voller Blüte. Entlang des Flussufers wurden ehemalige Wohnhäuser zu Cafés, Teestuben und Restaurants umgebaut. Ein Wochenendmarkt bot Kunsthandwerk wie Scherenschnitt und Suzhou-Stickerei an.
Deutsche Gäste mit eigenem Mahjong
Das Wasserdorf Cenbu, ebenfalls in Qingpu, hat sich dank seines weitläufigen Kanalnetzes zu einem Zentrum für Wassersport entwickelt. Mittlerweile leben dort 161 neue Dorfbewohner, darunter Kajak-Enthusiasten und zugezogene Städter, was etwa einem Drittel der ständigen Wohnbevölkerung entspricht.
Nach Angaben einer Restaurantbetreiberin besuchen monatlich in Shanghai lebende und arbeitende Deutsche das Dorf, teils in Gruppen von bis zu zwanzig Personen. Sie nehmen an Wasseraktivitäten teil, organisieren Austauschrunden und bringen zur Unterhaltung ihr eigenes Mahjong-Spiel mit.
Haustierbranche und Anime-Events auf dem Land
Die diesjährige Frühjahrskampagne bezog erstmals auch die florierende Haustierbranche mit ein. Der Bezirk Chongming führte 2024 als erste Gemeinde Shanghais eine spezielle Förderpolitik für die Haustierbranche ein, mit Zuschüssen von bis zu zwei Millionen Yuan pro Unternehmen. Im Bezirk Qingpu unterzeichnete das Dorf Zhongbu im Februar einen Vertrag mit privaten Investoren zum Aufbau eines thematischen Dorfes für Haustierdienstleistungen.
Im Bezirk Fengxian kombinierte die Gemeinde Zhuanghang ihr traditionelles Rapsblütenfest mit einem Anime-Cosplay-Event. Nach Angaben der Veranstalter zog die Kombination am ersten Wochenende rund 150.000 Besucher an und generierte einen Gesamtumsatz von nahezu fünf Millionen Yuan.
Von Einzelangeboten zur regionalen Vernetzung
Branchenkenner sehen einen Strategiewechsel: Statt auf einzelne Vorzeigedörfer setzt Shanghai zunehmend auf regionale Verbundlösungen. Das diesjährige Pfirsichblütenfest wurde erstmals von einem auf vier Bezirke ausgeweitet und fand nun in Pudong, Fengxian, Putuo und Changning statt.
Mit der Frühjahrskampagne verfolgt die Stadt das Ziel, die verstreuten ländlichen Ressourcen zu einer einheitlichen Tourismusmarke zu bündeln und den ländlichen Raum von einer bloßen Ergänzung des Stadtangebots zu einem eigenständigen touristischen Anziehungspunkt zu entwickeln.
Ein Beitrag von Jiefang Daily.