Können neu entdecken: Shanghai zeigt Vielfalt beruflicher Fertigkeiten

german.shanghai.gov.cn| 2026-08-31

Am 22. September fällt in Shanghai der Startschuss für den 48. WorldSkills-Wettbewerb. Junge Talente aus aller Welt werden in 64 Disziplinen gegeneinander antreten. Je näher der Wettbewerb rückt, desto mehr Geschichten rund um berufliches Können entfalten sich in Shanghai.

Unsichtbare Fertigkeiten, sichtbare Spuren

Zhou Min absolvierte sein Studium am Fachbereich für Umweltwissenschaften und Umweltingenieurwesen der Fudan-Universität und entschied sich bewusst für eine Tätigkeit in der Wasser- und Abwasserbehandlung. In China wurden die beruflichen Perspektiven in diesem Bereich lange eher skeptisch gesehen. Für Zhou Min jedoch ist es eine sinnvolle Aufgabe, trübes Abwasser in biologische Klärbecken zu pumpen und zu beobachten, wie Mikroorganismen die Schadstoffe abbauen. Vor einem halben Jahrhundert war der Suzhou-Fluss noch stark durch Industrieabwässer belastet; heute ist er zu einem lebendigen urbanen Lebensraum am Wasser geworden. Hinter diesem Wandel steht das langjährige Engagement von Generationen von Fachkräften in der Wasserwirtschaft und im Gewässerschutz.

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Zhou Min bedient die Anlagen in der zentralen Kläranlage des Chemieparks Shanghai.
[Foto: Shanghai Observer]

​Vom Flussufer bis zu den Wahrzeichen der Stadt: Auch Fachwissen lässt architektonische Visionen Wirklichkeit werden. Der Gebäudekomplex „Tian An 1000 Trees“ wurde mit seiner an einen „schwebenden Wald“ erinnernden Gestaltung rasch zum Publikumsmagneten. Hinter dem Bauwerk steckt jedoch die dreijährige Arbeit des Fassadentechnikers Zhu Qifei und seines Teams. Für die komplexen Freiformstrukturen entwickelten sie maßgeschneiderte Lösungen und meisterten Herausforderungen in den Bereichen Wasserdichtigkeit, Brandschutz und Taifunsicherheit.

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Zhu Qifei und sein Team inspizieren das Fassadenprojekt am Sunshine Plaza des
Gebäudekomplexes „Tian An 1000 Trees“. [Foto: Shanghai Observer]

​Während der diesjährigen Internationalen Blumenausstellung in Shanghai wurde eine 5,2 Meter hohe Pflanzenskulptur in Form eines West Highland White Terriers zum Online-Hit. Die Besucher bewunderten die niedliche Figur. Das Team um den Landschaftsgärtner Feng Rui hingegen achtete auf das Pflanzenwachstum, den fachgerechten Rückschnitt und die Pflege sowie die saisonale Gestaltung. Gartenbau bedeutet weit mehr als nur Blumen zu pflanzen und Grünflächen zu pflegen – auch hinter dem Stadtbild einer modernen Metropole steckt professionelles Können.

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Mitarbeiter der Grünpflege kümmern sich um die Pflege der Pflanzenskulptur in Hundeform.
[Foto: Shanghai Observer]

​Warum brauchen wir im KI-Zeitalter noch menschliches Können?

„Trainieren, schlafen, aufstehen und weiter trainieren“ – so erinnert sich Si Xianfeng an ihre Vorbereitungszeit auf den WorldSkills-Wettbewerb. Für die Auswahlrunde in der Disziplin Schönheitspflege entwarf sie Hunderte Nail-Art-Designs, verwarf sie immer wieder und begann von vorn. Schließlich gewann sie die Auswahlrunde in Shanghai und belegte bei der nationalen Auswahl den dritten Platz. Heute ist sie Trainerin am WorldSkills-Trainingsstützpunkt für Schönheitspflege in Shanghai.

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Si Xianfeng (links) ist beim Testwettbewerb für den 48. WorldSkills-Wettbewerb als Mitarbeiterin
im Einsatz. [Foto: Shanghai Observer]

​Künstliche Intelligenz kann zwar die Effizienz im Gestaltungsprozess steigern, doch nach Ansicht des Game-Artists Ye Weizhong entscheiden weiterhin menschliches ästhetisches Empfinden, Kreativität und Urteilskraft, die über den Wert eines Werks entscheiden. Als Leiter der WorldSkills-Expertengruppe ermutigt er junge Nachwuchskräfte dazu, ein eigenes ästhetisches Gespür und eine eigene gestalterische Handschrift zu entwickeln.

Die berufliche Überzeugung der Pflegekraft Ceng Xiao'an entstand auf der pädiatrischen Intensivstation. Als sie dort den Tod eines Kindes miterlebte, festigte sich ihr Entschluss, andere zu schützen und für sie da zu sein. Während der Wettkampfvorbereitung vertiefte sie ihr Verständnis von personenzentrierter Pflege: Einen Menschen zu betreuen bedeutet nicht nur, seine Krankheit im Blick zu haben, sondern auch seinen Beruf, seine Familie und seine Gefühle zu verstehen.

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Ceng Xiao'an erinnert sich bewegt an ihre Vorbereitungszeit für den WorldSkills-Wettbewerb.
[Foto: Shanghai Observer]

​Viele Facetten des Könnens

Für manche junge Menschen ist der Weg über berufliche Fertigkeiten eine ganz bewusste Lebensentscheidung. Kang Bangcheng erzielte bei der Aufnahmeprüfung für die weiterführende Schule ein sehr gutes Ergebnis. Aus Liebe zum Kochen bewarb er sich jedoch ohne Wissen seiner Eltern an einer Berufsschule. Daraufhin sperrte sein Vater ihn zu Hause ein. In China ist die Berufsbildung für Schülerinnen und Schüler mit guten schulischen Leistungen häufig nicht die erste Wahl. Zu Ausbildungsbeginn hatte Kang noch nie ein Kochmesser in der Hand gehalten. Jahre später, mit gerade einmal 22 Jahren, trennte er bei den WorldSkills im französischen Lyon innerhalb von nur zwei Minuten bei 15 Eiern Eigelb und Eiweiß, schälte in vier Minuten 12 Garnelen und gewann für China die erste WorldSkills-Goldmedaille in der Disziplin Kochen (Westliche Küche).

Heute entscheiden sich immer mehr junge Menschen in Shanghai für beruflich orientierte Bildungswege. Einige durchgängige Bildungsprogramme, die eine berufliche Sekundarausbildung mit einem Bachelorstudium verbinden, ziehen inzwischen sogar Bewerber mit sehr guten Prüfungsergebnissen an.

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Kang Bangcheng demonstriert bei einer Vorführung, wie Eischnee so steif geschlagen wird, dass er selbst dann nicht herausfällt, wenn die Schüssel fünf Sekunden lang umgedreht gehalten wird. [Foto: Shanghai Observer]

​Fertigkeiten sind längst Teil des Alltags geworden. Die Mitmach-Initiative „Jeder hat ein Talent“ rückt alltägliches Können ins Rampenlicht: Der Kantinenbäcker „Da Pangbao“ formt aus Teig saisonales Obst und Gemüse in entsprechende Formen. Die „Langwei-Brüder“ schufen in 99 Stunden ein imposantes Reliefwandbild, und die Bloggerin „Gao Gaogao“ verwandelte die WorldSkills-Trophäe per 3D-Druck in eine elegante Tischleuchte.

Aktionen wie der „Shanghai Skills Market“ bringen Fertigkeiten rund um Gartenbau, Kulinarik und Schönheitspflege in den öffentlichen Raum und laden die Menschen dazu ein, sie selbst auszuprobieren. Nach einer gemeinsamen Backaktion mit ihrer Familie sagte Frau Lis Tochter begeistert: „Etwas selbst mit den eigenen Händen zu machen, gibt einem ein echtes Erfolgserlebnis!“

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Das Foto zeigt die Mitmach-Initiative „Jeder hat ein Talent“ im Rahmen
des WorldSkills-Wettbewerbs. [Foto: Shanghai Observer]

​Am 22. September beginnt der WorldSkills-Wettbewerb in Shanghai. Auf der Wettkampfbühne stellen die Teilnehmenden ihre Fertigkeiten unter Beweis. Doch auch außerhalb der Wettkampfarena schreiben viele weitere Menschen mit ihren eigenen Entscheidungen, ihrer Hingabe und ihren Händen ihre ganz persönlichen Geschichten rund um berufliches Können.

 

 

Quelle: Shanghai Observer