Globale Wirtschaftsführer diskutieren in Shanghai über KI-gestütztes Wachstum
Shanghai strebe danach, zu einem internationalen Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) zu werden. Die Stadt solle diese neue Technologie stärker nutzen, um Dienstleistungen enger mit der Fertigung und konkreten Konsumanwendungen zu verknüpfen und so weitere Wachstumsmotoren zu schaffen. Das erklärten Experten und Führungskräfte weltweit führender multinationaler Unternehmen.
Die Äußerungen fielen bei der 38. Jahrestagung des Internationalen Beirats der Wirtschaftsführer für den Bürgermeister von Shanghai (IBLAC), die am 11. Oktober stattfand. Der 1989 gegründete IBLAC hat sich zu einem Think-Tank für den Bürgermeister von Shanghai entwickelt. Bei der jährlichen Veranstaltung holt er Vorschläge von Spitzenmanagern multinationaler Unternehmen und Branchenexperten ein, um die Entwicklung und Öffnung Shanghais weiter voranzutreiben. An der diesjährigen Tagung nahmen 42 Führungskräfte multinationaler Unternehmen aus 14 Ländern teil.
Unternehmen bei der 38. Jahrestagung des Internationalen Beirats der Wirtschaftsführer
für den Bürgermeister von Shanghai am 11. Oktober.
[Foto zur Verfügung gestellt von Internationalen Dienstleistungen Shanghai]
Mohamed Kande, globaler Vorsitzender von PwC, erklärte, dass Shanghai dank seiner starken industriellen Basis, seiner engen Verbindungen zur übrigen Region des Jangtse-Flussdeltas und seines ausgereiften Dienstleistungssektors über besondere Vorteile verfüge, um Technologien noch besser zu nutzen.
Der weltweite KI-Boom habe neue Möglichkeiten für intelligente mechanische Systeme, intelligente Fertigung, Lagerhaltung und Transport eröffnet. Um diese Entwicklung besser zu nutzen, solle Shanghai Technologien, Forschung und Kapital stärker mit internationalen Dienstleistern verzahnen. So könnten die Herausforderungen der Realwirtschaft wirksam angegangen werden, sagte er.
Sir Martin Sorrell, Gründer und geschäftsführender Vorsitzender von S4 Capital sowie ehemaliger Vorsitzender des IBLAC, erklärte, dass Shanghai zu einem Erprobungsfeld für die globale KI-Governance und die intelligente Transformation des Dienstleistungssektors werde.
Im globalen Dienstleistungssektor entwickle sich KI von einem Werkzeug zur Effizienzsteigerung zu einer Technologie, die Wertschöpfungsketten neu gestalte. Shanghai solle sich daher stärker an internationalen Regeln orientieren, den Datenfluss erleichtern, weitere Anwendungsszenarien erschließen, ein attraktiveres Umfeld für Fachkräfte schaffen und die internationale Abstimmung suchen. So könne die Stadt zu einem globalen Innovationszentrum für KI-gestützte Dienstleistungen werden, schlug er vor.
Zhang Lei, Gründer und Vorsitzender von Hillhouse Investment, würdigte Shanghais starke industrielle Basis sowie die große Zahl an KI-Unternehmen, professionellen Dienstleistern und multinationalen Unternehmen und die umfangreiche Verfügbarkeit langfristigen Kapitals. Er erklärte, dass die Stadt dem praktischen Einsatz von KI größere Bedeutung beimessen solle.
Weitere wichtige KI-Anwendungsfelder für betriebliche Abläufe sollten erschlossen werden. Shanghai solle zudem eine Gruppe von Ingenieuren ausbilden, die KI-Lösungen direkt bei Kunden vor Ort umsetzen und in der KI-Branche stark gefragt sind. Auch professionelle Dienstleistungsunternehmen, die sowohl KI als auch die jeweiligen Branchen verstehen, sollten gefördert werden. Auf diese Weise könnten mehr KI-Anwendungen und Dienstleistungskompetenzen, die sich auf dem chinesischen Markt bewährt hätten, von Shanghai aus weltweit zum Einsatz kommen, sagte er.
Laut Gary S. Guthart, geschäftsführendem Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Intuitive Surgical, könne die Verbindung hochwertiger medizinischer Daten mit KI und Robotik neue Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung eröffnen. Shanghai verfüge über besondere Vorteile für diesen Wandel: Die Stadt könne die Entwicklung hochwertiger Datensätze für robotergestützte Operationen erproben, neue Ansätze für den sicheren Austausch medizinischer Daten testen und ein „Shanghai-Modell“ für den verantwortungsvollen Umgang mit medizinischen Daten schaffen, das landesweit übernommen werden könne.
Jean-Paul Agon, Vorsitzender des Verwaltungsrats des Kosmetikkonzerns L’Oréal, vertrat die Ansicht, dass KI durch die Neugestaltung der Wertschöpfungskette, die Stärkung der Fähigkeiten von Fachkräften und die Erneuerung von Geschäftsmodellen ein Schlüssel zu hochwertigem Wachstum sei. Durch die Verknüpfung von Online- und Offline-Einkaufserlebnissen könne die neue Technologie Verbrauchern maßgeschneiderte Produkte bieten. Die Fertigung werde nachhaltiger, da KI sie flexibler mache und eine stärkere Anpassung an individuelle Bedürfnisse ermögliche.
Technologie solle breiteren Bevölkerungskreisen zugutekommen, um den Weg zu umfassenderem wirtschaftlichem Wohlstand zu ebnen. Shanghai solle zudem sein Geschäftsumfeld weiter verbessern, um zu einem Zentrum zu werden, das unterschiedliche Regelwerke für Innovationen aus aller Welt miteinander verbindet, sagte er.
Im Vorfeld der Sitzung besuchten Führungskräfte multinationaler Unternehmen am 10. Oktober die Fuxing-Insel. Dort informierten sie sich vor Ort über Shanghais jüngste Errungenschaften bei KI-gestützten Dienstleistungen und der kreativen Stadtentwicklung. Mehrere multinationale Unternehmen bekundeten ihre Bereitschaft, weiterhin in der Stadt zu investieren und an ihren Wachstumschancen teilzuhaben.