Österreichischer Pianist und Sinfonieorchester Shanghai gestalten gemeinsam einen „Musikabend“ mit zwei Klavierkonzerten von Brahms
chinesischen Dirigenten Yu Long, die bei einem Konzert zusammenarbeiten.
[Foto: Shanghai Observer]
Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder trat am 30. April 2026 in Shanghai gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Shanghai unter der Leitung des chinesischen Dirigenten Yu Long auf. Sie spielten an einem einzigen Abend zwei Klavierkonzerte des weltweit renommierten deutschen Komponisten Johannes Brahms.
Im Schaffen von Brahms liegen zwischen der Entstehung dieser beiden Klavierkonzerte mehr als zwei Jahrzehnte. Als er sein 1. Klavierkonzert komponierte, war Brahms gerade einmal 25 Jahre alt und befand sich in einer tiefen Lebenskrise. Er goss deshalb all seine inneren Konflikte, seine tiefe Menschlichkeit sowie sein sehnsüchtiges Verlangen nach Licht in dieses Werk.
Das 2. Klavierkonzert hingegen entstand nach jahrzehntelanger künstlerischer Reife und persönlicher Lebenserfahrung. Der Kompositionsstil Brahms‘ wurde konzentrierter, gehaltvoller und von souveräner Gelassenheit geprägt.
Buchbinder interpretierte am 30. April in der ersten Hälfte des Konzerts das 2. Klavierkonzert und stellte das 1. Klavierkonzert in die zweite Hälfte. Über die Werke sagte Buchbinder: „Diese beiden Klavierkonzerte ähneln sehr Sinfonien, sind aber vom Stil her völlig unterschiedlich. Das 2. Klavierkonzert ist lyrischer und entspricht eher dem Typus des romantischen Klavierkonzerts. Das 1. Klavierkonzert ist dramatischer, und diese Spannung spürt man bis zur letzten Note. Sie sind vom Charakter her völlig verschieden, doch beide sind unverkennbar Brahms.“
[Foto: Shanghai Observer]
Nach der erneuten Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester Shanghai zeigte sich Buchbinder begeistert: „Es ist ein erstklassiges Orchester von internationalem Niveau. Die Klangqualität ist hervorragend, insbesondere die Holzbläser sind perfekt.“
Der Pianist ist bekannt für seine Leidenschaft, seltene Originalpartituren und Manuskripte zu sammeln und zu studieren. Seine private „Musikbibliothek“ beherbergt einen unschätzbaren Schatz: Darunter befinden sich 39 verschiedene Ausgaben sämtlicher Beethoven-Klaviersonaten sowie ein umfangreiches Archiv mit Erstdrucken, Originalausgaben und Kopien der autographen Klavierstimmen beider Brahms-Klavierkonzerte.
Durch das intensive Studium dieser einzigartigen Archivschätze hat Buchbinder viele bisher unveröffentlichte, längst in Vergessenheit geratene Details aus Brahms‘ Schaffensprozess entschlüsselt.
Neben seiner intensiven Beschäftigung mit Brahms‘ Werk gilt Buchbinders Interpretation des gesamten Zyklus der Beethoven-Klaviersonaten weltweit als maßstabsbildend. Er hat den vollständigen Zyklus bereits mehrere Dutzend Male öffentlich aufgeführt.
Im Jahr 2017 spielte er in der Sinfoniehalle Shanghai an sieben aufeinanderfolgenden Abenden sämtliche Klavierwerke Beethovens, was einen intensiven, hochklassigen „Beethoven-Musikmarathon“ darstellte. Alle sieben Konzerte waren ausverkauft. Diese kraftvolle und erschütternde Live-Darbietung ist vielen Klassikfans in Shanghai als unvergessliche Erinnerung geblieben.
Buchbinder sagte zudem, dass er im Juni dieses Jahres nach München reisen werde, um mit der Dirigentenlegende Zubin Mehta zusammenzuarbeiten. Dieses Konzert dient einerseits der Feier von Mehtas 90. Geburtstag und andererseits als Auftakt zu Buchbinders bevorstehendem 80. Geburtstag.
Ein Beitrag von Shanghai Observer.