Deutschsprachiges Musical „Elisabeth“ feiert Shanghai-Premiere
Am vergangenen Mittwoch feierte das deutschsprachige Originalmusical „Elisabeth“ in einer Konzertfassung seine Premiere im Shanghai Culture Square. Damit wurde der Auftakt für seine Shanghai-Gastspielreihe 2026 vom 14. bis 25. Januar mit insgesamt 15 Vorstellungen offiziell eingeläutet.
Nach den erfolgreichen Aufführungen in den Jahren 2014 und 2024 kehrt dieses europäische Meilensteinwerk nun zum dritten Mal nach Shanghai zurück.
Das deutschsprachige Musical „Elisabeth“ wurde im Jahr 1992 uraufgeführt. Das Werk vom Dramatiker Michael Kunze und dem Komponisten Sylvester Levay erzählt das legendäre und tragische Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth. Seit der Uraufführung im Theater an der Wien wurde das Stück in 14 Ländern gespielt, wo es über 9.000 Vorstellungen vor mehr als 12 Millionen Zuschauern erlebte. Somit stellte es einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte des europäischen Musicals dar.
Die jüngste Aufführungsserie setzt die erfolgreiche Konzertfassung aus dem Jahr 2024 fort. Im Vergleich zur traditionellen Bühnenproduktion ähnelt diese Version eher einem „hochgradig verfeinerten Film“, der die dramatische Spannung und musikalische Vollständigkeit bewahrt. Auf der Bühne befindet sich das Orchester im Kern des Geschehens. Die Schauspieler agieren mitten im Orchester, und die Musik treibt die Geschichte voran.
Der Regisseur Gil Mehmert hat in dieser Fassung die psychologische Dimension des Werkes weiter verstärkt. Aus der Rolle des Attentäters Luigi Lucheni heraus wird in leicht ironischer Erzählweise das Leben Elisabeths durch ihre Schicksalsmomente erzählt, während die Figur des „Todes“ als Verkörperung von Schicksal und Begierde eine durchgehende psychologische Verstrickung mit der Kaiserin bildet. Durch diese verkörperte Symbolik hinterfragt das Werk kontinuierlich die Spannung zwischen Macht, Freiheit und individuellem Willen und verleiht der Bühne eine tiefere philosophische Bedeutung.
In Bezug auf die schauspielerische Leistung war die Besetzung der Premiere ebenfalls bemerkenswert. Kristine Emde verkörperte die Rolle Sissi in der Fassung von 2026. Mit ihrer zurückhaltenden, jedoch entschlossenen Gesangleistung porträtierte sie eine Frau, die im ständigen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Zwängen und ihrem unbeugsamen Willen zur Selbstbestimmung lebte. Im Gegensatz zu einer romantischen Märchenfigur spielte sie die Rolle Sissi eher als eine authentische, komplexe und zeitgemäße Persönlichkeit.
Auch die Figur des Todes entfaltete in der Aufführung eine intensive Präsenz. Seine Beziehung zu Elisabeth ist sowohl ein ständiges Spiel aus Verführung und Abwehr als auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Frage nach Freiheit. Sie ergriff nicht nur das Auditorium zutiefst, sondern die Gefühle hallten auch weit über den Zeitpunkt des Vorhangs hinaus nach.
Die Bühne wurde mit einer Fülle an Abstraktion und Symbolik gestaltet, die das Publikum auf beeindruckende Art und Weise verzauberte. Die Zusammenkünfte von Elisabeth mit dem Schicksal oder den drohenden Dunkelheiten in diesen entscheidenden Momenten ließen die gesamte Bühne zu atmen anfangen und ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Aufgrund dessen wurde die Eintauchwirkung der Aufführung signifikant erhöht.
„Elisabeth“, das strahlende Juwel des Shanghai Culture Square im Jahr 2026, brilliert mit seiner feurigen Hingabe und trägt maßgeblich zur Blüte der deutschsprachigen Musicals in China bei. Es führt zu einer intensiven Diskussion unter den Zuschauern über die Themen Weiblichkeit, Potenz und Autonomie. Elisabeth schlüpft in der Erzählung in die Rolle einer Kaiserin und zugleich einer „zeitgemäßen Dame“, die fortwährend an ihrem eigenen Selbstwert zweifelt. Im Wandel der Zeiten bleibt diese Geschichte lebendig und scharf wie eh und je.
Ein Beitrag von Shanghai Observer.