„Weniger, aber besser“: Kurator Klaus Klemp im Interview über Dieter Rams
Die Einzelausstellung von Dieter Rams „Weniger, aber besser“ ist noch bis Mittwoch im Fosun Art Center in Shanghai zu sehen.
Dieter Rams, geboren 1932 in Wiesbaden, Deutschland, ist ein renommierter deutscher Industriedesigner. Er gilt als „Vater des deutschen Industriedesigns“ und als „Designer der Designer“. Seine Designkarriere ist eng mit der Firma Braun sowie mit dem funktionalistischen Designverständnis verbunden. Im Folgenden finden Sie weitere Auszüge aus einem Interview des Kurators Klaus Klemp mit der Nachrichtenagentur The Paper.
Für Klemp ist es klar: „Dieser Designer ist mittlerweile fast 94 Jahre alt, und seine Karriere nähert sich ihrem Ende. Doch wichtiger als seine internationalen Erfolge ist die Resonanz seiner Designphilosophie bei der jungen Designer-Generation heute. In einer Zeit, in der ständig ,Neues‘ produziert und Dinge schnell ersetzt werden, erinnert Rams’ Design mit Klarheit, Langlebigkeit, Bescheidenheit und Verantwortungsbewusstsein daran, zu den grundlegenden Werten des Designs zurückzukehren.“
Klemp betont, dass der Leitspruch „Weniger, aber besser“ von Dieter Rams heute relevanter sei denn je. Während Ludwig Mies van der Rohe mit „Weniger ist mehr“ vor allem architektonische und designbezogene Reduktion, also den Verzicht auf überflüssige Dekoration, prägte, versteht sich Rams’ Ausspruch nicht als einfache Gleichung, sondern als vielschichtige Beziehung von fundamentaler Bedeutung.
Der Leitspruch bezieht sich auch auf den Designprozess selbst: Durch Reduktion von Gestaltungselementen visuelle Beständigkeit zu schaffen oder weniger, aber hochwertigere Produkte zu entwickeln.
Doch sein „besser“ lässt sich auch auf viele Lebensbereiche übertragen, etwa bewussteren Konsum, hochwertigere soziale Interaktionen und einen Lebensstil, der sich auf das Wesentliche konzentriert.
Die Bedeutung dieses Ausspruchs kann noch weiter gefasst werden: Heute sollten nicht nur der Einsatz von KI, sondern auch die übermäßige Präsenz von Social-Media-Plattformen in diesem Kontext betrachtet werden.
Tatsächlich ist die Gesamtheit von Rams’ Entwürfen der wichtigste Aspekt seines Werkes. Natürlich variiert die Bedeutung der einzelnen Projekte.
Nachfolgend finden Sie einige Beispiele:
Die SK 4 war nicht nur für Rams selbst von großer Bedeutung, sondern stellte auch einen Meilenstein für Braun im Bereich Produktdesign dar. Dieses 1956 vorgestellte Radio-Phonoskop-Gerät mit transparentem Deckel entstand in Zusammenarbeit mit Hans Gugelot von der Hochschule für Gestaltung Ulm. Während Radios zu dieser Zeit typischerweise aus poliertem Holz mit goldenen Verzierungen gefertigt wurden, revolutionierte dieses Produkt die konventionelle Radiogestaltung.
Dieses „wandmontierbare Audiosystem“ umfasste Empfänger, Tonbandgerät und Lautsprecher, die wie Bilderrahmen nebeneinander an der Wand angebracht werden konnten, was für die damalige Zeit eine bahnbrechende Geräteanordnung darstellte. Das Gerät wurde bewusst mit einer verschraubten, lackierten Aluminiumoberfläche gestaltet, wobei der gesamte Aufbau klar und schlicht gehalten war. Sein Designstil ähnelte dabei dem damals zeitgenössischen Schweizer Stil.
Neben Audiosystemen und Radios umfassten die von Dieter Rams gestalteten Produkte auch Uhren, Wecker und Entsafter. Besonders legendär ist der von ihm in Zusammenarbeit mit Gerd Alfred Müller entworfene Entsafter, der 50 Jahre lang populär blieb und bis heute als Klassiker gilt.
Neben Regalsystemen entwarf Dieter Rams ab 1961 auch eine Serie von Stühlen und Tischen. Sein „RZ 62“-Sessel, auch bekannt als „Sesselprogramm 620“, verbindet eine geschwungene, konvexe Form mit weicher Polsterung zu einer harmonischen Gesamterscheinung. Der Entwurf fügt sich nicht nur in kubistische Architekturräume ein, sondern vereint auch Komfort mit einer haptisch-emotionalen Erfahrung.
Ein Beitrag von The Paper.